8 Stunden in: Danzig

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danzig krantor

Die Danziger Schokoladenseite: Mottlau-Ufer mit Krantor

Sie haben nur ein paar Stunden Zeit für einen Städtetrip nach Danzig (Gdansk), wollen aber trotzdem möglichst keine Sehenswürdigkeit verpassen? Das funktioniert, ich habe es ausprobiert! Danzig ist mit 460.000 Einwohnern zwar eine Großstadt, aber fast alle wirklich sehenswerten Attraktionen dieser Stadt an der polnischen Ostseeküste liegen in einem überschaubaren Areal, das sich bequem in wenigen Stunden zu Fuß erkunden lässt.

Dieses Areal ist die sogenannte Rechtstadt, der historische Stadtkern am Ufer der Mottlau. Die prächtigen Kaufmanns- und Bürgerhäuser, die alten Gassen, die Marienkirche und das Krantor – sie alle befinden sich in der Rechtstadt, auf einem Gebiet von etwa 700 mal 700 Metern Größe.

Ob Sie sich bei Ihrem Danzig-Rundgang genau an meine Tipps halten, ist Ihrem persönlichen Tempo überlassen. Legen Sie eine Pause ein, wenn Sie möchten. Oder kehren Sie an an einen Punkt zurück, den Sie besonders schön finden. Die Zeit recht allemal.

10 Uhr

Wir starten den Rundgang am schönsten Eingang zur Rechtstadt, am Hohen Tor, und lassen damit den Straßenlärm und die Bausünden der Danziger Moderne hinter uns. Das Hohe Tor, das steinerne und mit reichen Schnitzereien versehene Stadttor aus dem 16. Jh. bildet den Beginn des historischen Königswegs – von hier schritten die Herrschaften durch das alte Danzig zum Rathaus. Das Tor ist auch der Anfang der Danziger Prachtmeile aus Langgasse (Dluga) und Langer Markt (Dlugi Targ). Dieser leicht gebogene Straßenzug ist heute Fußgängerzone und Herz der Stadt.

Der Reihe nach kommen Sie an folgenden historischen Gebäuden vorbei: Goldenes Tor mit Georgshalle, Vortor zur Langgasse, Langgasser Tor, Uphagen-Haus, Rechtstädisches Rathaus, Artushof mit Neptunbrunnen, Neues Schöffenhaus, Goldenes Haus. Am Ende des Langes Marktes erreichen Sie das Grüne Tor, im 16. Jh. im flämischen Stil errichtete Besuchsresidenz für durchreisende Monarchen, heute Museum, Ausstellungsgebäude und Büro des Friedens-Nobelpreisträgers und polnischen Ex-Präsidenten Lech Walesa.

Je nach Lust, Zeit und Laune können Sie einige dieser Gebäude auch von innen bewundern: Im Rathaus etwa den Roten Saal, die große Ratsstube mit seinen Deckengemälden, oder das vielleicht auffälligste Haus am Weg, den Artushof, einst Sitz der Danziger Kaufmannsbrüderschaften und Börse. Den Saal schmücken Schiffsmodelle, Gemälde, Rüstungen, Wandtäfelungen und der größte Renaissance-Kachelofen der Welt.

Die Rechtstadt wurde im Zweiten Weltkrieg fast vollkommen zerstört. Was Sie heute sehen, sind also Rekonstruktionen historischer Bauten. Eine beachtliche Aufbauleistung – nur leider ist sie schon etliche Jahrzehnte her. Das sieht man vielen der restaurierten Häuser leider auch an.  Die (betonierte) Herrlichkeit beginnt hier und da zu bröckeln, die Farbe zu verblassen.

11 Uhr

Wir verlassen jetzt kurz die Rechtstadt, um über die Brücke hinter dem Grünen Tor auf die etwas verwilderte Speicherinsel zu wechseln. Die Speicherinsel war, wie der der Name schon sagt, Lagerkomplex für die Danziger Kaufleute. Die alten Backstein-Speicher wurden nach dem Krieg nicht wieder aufgebaut, aber einige Ruinen stehengelassen.

Über die Straße Stagiewna gehen wir über die Insel, biegen dann links in die Szafarnia ein und landen am Jachthafen an der Neuen Mottlau. Nach ein paar Schritten, etwa am “Browarnia Gdansk Restaurant & Pub”, Brauhaus und Edel-Imbiss in einem alten Speicher, eröffnet sich ein schöner Blick auf Danzigs Rechstadt – mit der hübschen Häuserzeile an der Mole und natürlich dem Krantor.

Über eine kleine Brücke gelangen Sie zur Bleihofinsel, wo heute die Baltische Philharmonie, ein Luxushotel im Königsspeicher und das Zentrale Meeresmuseum residieren. Ins Museum rein – müssen Sie nicht unbedingt, es sei denn, Sie interessieren sich für Meeresarchäologie. Dennoch machen wir hier kurz Pause. Denn vor dem Museum liegt der schöne alte Frachter “Soldek”. Genießen Sie von hier das beste Danziger Panorama auf das Krantor, ehe Sie mit der regelmäßig verkehrenden Minifähre von der Insel zur Rechtstadt übersetzen.

12 Uhr

Zeit, um an der Mottlau-Promenade zu schlendern. Hier an der “Langen Brücke” (Dlugie Pobrzeze) finden Sie Läden mit dem üblichen Souvenirs, aber auch ein bisschen Kunsthandwerk aus dem Ostsee-Gold Bernstein, Cafés und Restaurants. Und die alten Danziger Hafentore, darunter das Wahrzeichen der Stadt, das berühmte Krantor. Vom ehemals weltgrößten Hafenkran ist nicht mehr viel historische Substanz übriggeblieben, was Sie sehen, ist eine immer noch imposante Rekonstruktion des mittelalterlichen Bauwerks. Im Inneren des mit Muskelkraft arbeitenden Krans lohnt ein Blick auf das riesige hölzerne Rad, das die Seilwinde antrieb.

Eine kleine Pause haben Sie sich jetzt redlich verdient. Eine klassische Adresse: das Restaurant “Goldwasser” mit Terrasse direkt an der Promenade. Bei gutem Wetter immer voll – hier gibt’s veredelte polnische Hausmannskost ebenso wie Pizza und Steaks. Und natürlich die Danziger Spezialität Goldwasser, einen süßen Kräuterlikör mit Anisgeschmack und Goldflocken!

14 Uhr

Jetzt geht’s wieder hinein in die Rechtstadt. Und zwar durch das Frauentor von der Langen Brücke in die Frauengasse (Mariacka). Diese kurze Straße zwischen Ufer und Marienkirche ist die schönste Gasse der Rechtstadt – und damit ganz Danzigs. Kopfsteinpflaster, prächtige Kaufmannshäuser, keine Autos und am Ende der Gasse erhebt sich die Marienkirche – eine kleine Zeitreise in die Renaissance. Die Häuser haben hier, Besonderheit in Danzig, die berühmten Beischläge, terassenartig erhöhte Vorbauten vor den Speicherkellern. Heute werden die Keller von Galerien, Kunsthandwerksläden und Bernsteinwerkstätten genutzt.

Am Ende der Gasse stoßen Sie auf die Marienkirche, die größte Backsteinkirche der Welt. In der dreischiffigen Hallenkirche finden bis zu 25.000 Menschen Platz – unbedingt reingehen. Werfen Sie einen Blick auf das filigrane Sterngewölbe in den Seitenschiffen, das haushohe Fenster, den spätgotischen Flügelaltar und auf die Astronomische Uhr mit seinem Figurenspiel. Wenn Sie genug Puste haben: Steigen Sie die 400 Treppen auf den 82 Meter hohen Turm, von dessen Galerie Sie einen grandiosen Blick über Danzig haben.

16 Uhr

Wir haben noch zwei Stunden Zeit – die können Sie nutzen, um in Ruhe die Gassen und Plätze der Rechtstadt zu erkunden. Tipp: Machen Sie es sich auf dem Langen Markt gegenüber dem Neptunbrunnen gemütlich. Ein Touristenmagnet, ich weiß. Und normalerweise kein guter Ort, um ein Bier oder einen Kaffee zu genießen, ohne übers Ohr gehauen zu werden. Aber gleich am Neptunbrunnen gibt es ein einfaches Restaurant mit zivilen Preisen (Bier 1,50 Euro). Und dazu den besten Blick auf Rathaus, Brunnen, Artushof und das bunte Treiben der Straßenhändler, Musiker und Einheimischen. Prost!

Alternative, falls Sie noch nicht im “Goldwasser” gegessen haben: In der Straße Piwna (Nr. 59/60, zwischen Rathaus und Marienkirche) finden Sie das Restaurant “Pierogarnia u Dzika”: Hier gibt’s das polnische Nationalgericht Piroggen, also Teigtaschen, in allen Varianten – etwa mit Pilzen, Früchten, Kalbfleisch oder Lachs (ab etwa 4 Euro). Gut und reichlich.

Weitere Alternative für geschichtsbewusste Besucher: ein Abstecher auf das Gelände der Lenin-Werft, wo 1980 die Solidarnosc-Bewegung ihren Anfang nahm, die die polnischen Machthaber hinwegfegte und den Untergang des Sowjetreichs einläutete. Die Werft ist abgewickelt, in den Hallen haben sich Künstler niedergelassen. Ein Denkmal für die Werftarbeiter erinnert an den Aufstand ebenso wie die Ausstellung “Wege zur Freiheit” in den Kellerräumen des Gewerkschaftsgebäudes. Von der Rechtstadt gelangen Sie über die Nikolaikirche und die Katharinenkirche und geradeaus den Straßenzug Mlyny, Wielki und Rayska und rechts in die Piastowskie zum Werfteingang (ca.1,5 km).

 

danzig langgasse

Danzig: die Langasse mit Georgshalle

danzig neptunbrunnen

Danzig: Neptunbrunnen vorm Artushof

danzig frauengasse

Danzig: Frauengasse

danzig gruenes tor

Danzig: Grünes Tor

danzig marienkirche

Danzig: Marienkirche

Fotos: Thomas Meins

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