Genießerpfade im Schwarzwald: Wein, Schnaps und Wandern

0 Flares Filament.io 0 Flares ×
Auch im dichten Tann nicht zu verfehlen: die Genießerpfade im Schwarzwald / Thomas Meins

Auch im dichten Tann nicht zu verfehlen: die Genießerpfade im Schwarzwald / Thomas Meins

Der Schwarzwald ist eine meiner Lieblingsregionen in Deutschland, fast so etwas wie eine zweite Heimat. Mindestens einmal im Jahr zieht es mich in den Südwesten – zum Radfahren, Wandern, Ausspannen. Letzte Woche war es mal wieder soweit: Ich hatte die Gelegenheit, auf einer Pressereise die Schwarzwälder Genießerpfade kennenzulernen.

Genießerpfade, das klingt nach einem gemütlichen Spaziergang zu Kirschtorte und Kuckucksuhr. Tatsächlich sind die Genießerpfade, 22 gibt es derzeit im Schwarzwald, ausgewachsene Wanderwege für geübte Wanderer – und keine Wege zum Flanieren. Sie sind zwischen sechs und 18 Kilometer lang, als Premiumwanderweg zertifiziert, erfordern ein bisschen Ausdauer, solides Schuhwerk und an manchen Stellen sogar Schwindelfreiheit. Für Genuss sorgen eine erfrischende Natur, schöne Aussichten und, na klar, Spezialitäten aus badischen Küchen und Weinkellern.

Karlsruher Grat: Aussicht ins Gottschlägtal und auf die Rheinebene / Thomas Meins

Karlsruher Grat: Aussicht ins Gottschlägtal und auf die Rheinebene / Thomas Meins

Zwei Pfade habe ich abgewandert: die Alde Gott Panoramarunde rund um Sasbachwalden und den Karlsruher Grat bei Ottenhöfen. Die Wege unterscheiden sich deutlich. Die Panoramarunde (11,6 km) ist eher eine Spaß-Wanderung, der Grat (12,3 km) ein Wander-Event.

Grüne Wälder, sanfte Hänge: Blick vom Karlsruher Grat / Thomas Meins

Grüne Wälder, sanfte Hänge: Blick vom Karlsruher Grat / Thomas Meins

Der Karlsruher Grat ist der schwierigste aller Genießerpfade, er gilt als “anspruchsvoll”. Und das völlig zu recht. Höhepunkt des Weges ist die Überquerung des namengebenden Karlsruher Grats, eine gezackte Granitformation, die ziemlich unvermittelt aus dem Wald aufragt. Die Felsen erreichen eine Höhe von gut 800 Metern, das ist also wirklich kein Hochgebirgsniveau. Aber die 400 Meter lange Passage über den Grat ist eine alpine Herausforderung. Ich habe mehrfach mit dem Gedanken gespielt, einfach aufzugeben und den bequemen Pfad zu nehmen, der um den Felsen herumführt. Aber mit wackligen Knien und viel Schweiß habe ich es schließlich gepackt.

Nicht besonders hoch, aber sehr steil: der Karlsruher Grat / Thomas Meins

Nicht besonders hoch, aber sehr steil: der Karlsruher Grat / Thomas Meins

Kletterhilfen wie Eisen, Stufen oder Seile gibt es nicht. Du musst dir den Weg über den Grat selber bahnen. Mit den Fingern eine Halt in der steilen Wand suchen, hochziehen, eine Mulde für den Schuh finden – bis der Grat erreicht ist. Oben ist an einigen Stellen gerade noch Platz, um kurz auf einer Arschbacke auszuruhen. Abstürze kommen vor, sind aber erstaunlich selten. Immerhin geht’s auf der einen Seite einige Hundert Meter runter ins Gottschlägtal. Wer auf der anderen Seite abstürzt, fällt möglicherweise nur ein paar Meter tief, bis er in den Bäumen am Hang hängenbleibt. Wer oben bleibt, darf den Blick bis in die Rheinebene genießen.

Sagenumwoben: das Edelfrauengrab / Thomas Meins

Sagenumwoben: das Edelfrauengrab / Thomas Meins

Trittsicher und schwindelfrei muss man am Karlsruher Grat also schon sein. Der Rest des Weges ist aber weitaus entspannter. Ein typischer Schwarzwald-Wanderweg: Er führt durch dunkle Wälder, vorbei an rauschenden Bächen und luftigen Streuobst-Wiesen. Der Genießerpfad ist geschickt angelegt – alle paar Kilometer gibt’s ein echtes Highlight. Auf dem Weg zum Grat sind das die Edelfrauen-Wasserfälle – der Sage nach wurde hier vor vielen Jahrhunderten eine untreue Ehefrau in die Felsen eingemauert. Auf dem Weg vom Grat runter nach Ottenhöfen ist das der Aussichtspunkt Brennte Schrofen – eine Felsnase mit Ausblick ins Achertal.

Aussichtspunkt Brennte Schrofen nei Ottenhöfen / Thomas Meins

Aussichtspunkt Brennte Schrofen nei Ottenhöfen / Thomas Meins

Um gute Aussichten geht’s auf der Alde Gott Panoramarunde. Der Pfad führt rund um den Weinort Sasbachwalden.  Früher war das Dorf mal ein Kurort, aber das ist schon einige Jährchen her. Seit dem Ende des Kur-Geschäfts setzt Sasbachwalden auf das Thema Genuss. Bei knapp 2500 Einwohnern hat der Fachwerkort nicht weniger als 23 gastronomische Betriebe.

Die Alde Gott Panoramarunde: Wandern durch den Wein / Thomas Meins

Die Alde Gott Panoramarunde: Wandern durch den Wein / Thomas Meins

Sasbachwalden ist umgeben von Weinbergen, die allgegenwärtige Winzergenossenschaft (400 Winzer, 260 Hektar) produziert jede Menge Spät- und Grauburgunder, aber auch Müller-Thurgau und Riesling. Die bekannteste Einzellage heißt Alde Gott – daher also die Alde Gott Panoramarunde. Sie ist längst nicht so sportlich wie der Grat, aber sie geht hübsch auf und ab durch Weinberge und Wälder, ein paar Hundert Höhenmeter kommen da schon zusammen.

Prächtige Quitten: Am Panoramarundweg wächst nicht nur Wein / Thomas Meins

Prächtige Quitten: Am Panoramarundweg wächst nicht nur Wein / Thomas Meins

Damit unterwegs niemand verhungert oder verdurstet, haben die Sasbachwaldener den Pfad gespickt mit Einkehrmöglichkeiten. Auf dem Spinnerhof gibt’s nicht nur eine schöne Terrasse mit Aussicht auf das Straßburger Münster, sondern eine Schnapsbrennerei mit außergewöhnlich hochprozentigem Stoff. Mitten in den Weinbergen gelegen ist das Wein-Klostergut Schelzberg, ebenfalls mit Terrasse und Küche. Hausherr Hans-Martin Hockenberger, einer von zwei eigenständigen Winzern in Sasbachwalden, bittet auch gerne in seinen Weinkeller – oder stärkt Wanderer mit einem Glas Secco aus eigener Produktion.

Die stilechte Übernachtungsmöglichkeit: Schlafen im Weinfass auf dem Ferienhof Wild / Thomas Meins

Die stilechte Übernachtungsmöglichkeit: Schlafen im Weinfass auf dem Ferienhof Wild / Thomas Meins

Und dann liegt da noch das Feriengut Wild am Wegesrand: Der Weinbauer vermietet – zwischen Riesling- und Burgunderreben – Weinfässer zum Schlafen. Ich habe es für eine Nacht ausprobiert: Die Unterkunft besteht aus zwei 8000-Liter-Fässern, eins mit Doppelbett, eins mit Esstisch und Plumpsklo (natürlich sauber voneinander getrennt). Davor eine Terrasse – und ein grandioser Ausblick auf die Rheinebene und die Vogesen. Die Weinfass-Nacht fühlte sich nach Camping an, eine Mischung aus Zelt und Wohnwagen, nur eben in absoluter Ruhe und exklusiver Lage. Die nächsten Fässer stehen schließlich 100 Meter weiter, und dazwischen gibt’s nichts als Wein.

Härterer Stoff gefällig? Eine weitere Genießerpfad-Attraktion sind die Schnapsbrünnle. Dabei handelt es sich um die rustikale Variante eines Getränkeautomaten. Die Brünnle stehen im Wald oder auf einem Hof. Kaltes Bachwasser kühlt ein paar Pullen Hochprozentiges, daneben stehen Gläser zur Selbstbedienung, darüber hängt ein Briefkasten zum Geldeinwurf. Der trinkende Wanderer oder auch der wandernde Trinker zahlt zwischen 80 Cent und 1,50 Euro pro Glas und erfrischt sich inwändig mit Kirsch- oder Obstwasser. Auf der Alde Gott Panoramarunde mag das gehen, wer schwere Beine bekommt, legt sich halt in den Weinberg. Wer aber beschwipst auf den Karlsruher Grat klettert, verliert schnell den Boden unter den Füßen.

Fachwerk-Romantik in Sasbachwalden: Gasthof und Hotel Engel / Thomas Meins

Fachwerk-Romantik in Sasbachwalden: Gasthof und Hotel Engel / Thomas Meins

Welcher der beiden Genießerpfade mehr zu bieten hat? Was für eine Frage. Beide lohnen sich – auf ihre Weise. Und beide eignen sich mühelos zu einer genussvollen Verlängerung. In Sasbachwalden kann der hungrige Wanderer den Tag beim Dinner-Jumping beschließen: Das 4-Gänge-Menü wird in vier verschiedenen Gasthöfen eingenommen, darunter im Sterne-Restaurant Hotel Talmühle. Der Weg zwischen den Häusern muss natürlich zu Fuß bewältigt werden. Der Karlsruher Grat wiederum lässt sich krönen mit einer Wanderung auf die Hornisgrinde, den höchsten Gipfel im nördlichen Schwarzwald. Der Weg führt über den Genießerpfad Mummelsee-Hornisgrindepfad – und über das Berghotel Mummelsee, wo es, was denn sonst, wieder gut zu essen und zu trinken gibt.

Die Alde Gott Panoramarunde: Über Brücken und Bretter durch die Gaishölle / Thomas Meins

Die Alde Gott Panoramarunde: Über Brücken und Bretter durch die Gaishölle / Thomas Meins

Die Fakten: 22 Genießerpfade gibt es derzeit, unter anderem in Baiersbronn, im Hochschwarzwald und am Kniebis. Zwei bis drei weitere Pfade werden 2014 noch dazukommen. Die meisten Genießerpfade sind als Premiumwanderweg ausgewiesen bzw. werden demnächst geprüft und zertifiziert. Infos zu den Pfaden gibt es unter www.schwarzwald-tourismus.info, zu Sasbachwalden unter www.sasbachwalden.de, zu Ottenhöfen unter www.ottenhoefen.de. Die Weinfässer zum Schlafen vermietet der Ferienhof Wild in Sasbachwalden – ab 156 Euro für zwei Personen die Nacht (inkl. Frühstück und Wein).

Die Reise fand statt auf Einladung der Schwarzwald Tourismus GmbH und der Baden-Württemberg Tourismus GmbH.

Hinterlasse eine Antwort

Name and email are required. Your email address will not be published.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>