Mallorca in der Nebensaison: Ein Glücksfall für Genießer

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Mallorca in der Nebensaison – still ruht die See wie hier in Port de Pollenca / Thomas Meins

Mallorca in der Nebensaison – still ruht die See wie hier in Port de Pollenca / Thomas Meins

Martin Xamena wirkt ein wenig ratlos. Der Seniorchef des Hotels Bon Sol in Illetes ist unzufrieden mit dem Tourismusgeschäft auf Mallorca in der Nebensaison. Gerne würde er sein Hotel in Palmas Nobelvorort auch im Winter öffnen, aber die Airlines haben den Flugplan zusammengestrichen, und Mallorcas Tourismusverwaltung tut seiner Meinung nach zu wenig, um die Insel auch außerhalb der Sommersaison zu beleben. Weil die Gäste ausbleiben, bleibt sein Haus eben zu.

Das Bon Sol ist immerhin ein Klassiker auf Mallorca – Xamenas Vater war einer der Pioniere in Mallorcas Hotelgewerbe, das Haus ist seit den 50er-Jahren in Familienbesitz, zu den Stammgästen zählten Hollywoodstars wie Errol Flynn. Aber spätestens ab November herrscht auch in Illetes eine Art Winterblues: Der Ost ist ausgestorben, praktisch alle Hotels sind dicht, die Apartments verwaist, lediglich das eine oder andere Café hat geöffnet. Außer Handwerkern und Polizisten lässt sich auf den Straßen über der felsigen Bucht niemand sehen.

So wie in Illetes sieht’s auf Mallorca im Winter in vielen Orten aus. Hoteliers wie Martin Xamena gefällt das nicht, sie würden ihr Geschäft gern desaisonalisieren, also nicht nur im Sommer Geld verdienen. Pech für ihn, Glück für Genießer. Denn Mallorca in der Nebensaison heißt: keine Wartezeiten an den Flughafen-Schaltern, keine überfüllten Strände, kein lärmendes Nachtleben, keine betrunkenen Germanen-Horden in Arenals Schinkenstraße. Diese “tote Zeit” ist wie gemacht für entspannte Urlaubstage unter milder Mittelmeer-Sonne.

Badia de Palma im Januar: Naturschauspiel statt Badewanne / Thomas Meins

Badia de Palma im Januar: Naturschauspiel statt Badewanne / Thomas Meins

Wer Mallorca zwischen November und Mai ansteuert, bekommt die Chance, die ursprüngliche Schönheit der Insel kennenzulernen. Die ganze Insel scheint förmlich aufzuatmen in diesen Monaten. Natur und Einheimische kommen zur Ruhe. Selbst in Palma, wo immerhin noch die meisten Hotels, Bars und Restaurants geöffnet haben, sind Touristen jetzt ganz klar in der Minderheit. Ob beim Shopping in der Altstadt oder beim Cocktail im Vergnügungsviertel Fabrica – die vorherrschende Sprache ist weder Deutsch noch Englisch, sondern Spanisch.

es trenc

Traumstrand Es Trenc auf Mallorca: Im Winter nur Natur / Thomas Meins

Außerhalb der Hauptstadt kann es passieren, dass man stundenlang keinem Touristen begegnet – oder auch überhaupt keiner Menschenseele. Der Traumstrand Es Trenc etwa, im Sommer täglich Ziel von Tausenden Sonnenhungrigen, döst im Winter nackt und verlassen in der Sonne. Keine Autos auf den Parkplätzen, die Strandbars sind vernagelt, der etwa acht Kilometer lange Küstenstreifen im Südosten der Insel ist wieder, was er vor langer Zeit mal war: ein unberührtes Naturparadies zwischen Salzseen und Mittelmeerbrandung. Der Wind pfeift über die Dünen, das Meer klatscht an den Strand, ein paar Möwen kreischen dazu – menschliche “Nebengeräusche” sind verstummt.

formentor

Auf dem Weg zum Cap Formentor: Straße mit Aussicht / Thomas Meins

Auch die typischen Touristenattraktion der Insel machen in der Nebensaison einen verschlafenen Eindruck. Die 17 Kilometer lange Straße von Port de Pollenca hinaus zum Leuchtturm auf dem Cap Formentor ist jetzt ein wahrer Sightseeing-Genuss. Durch die Pininenwälder an Mallorcas Nordspitze wälzen sich keine Blechschlangen, der Gegenverkehr in den engen Serpentinen beschränkt sich auf drei oder vier Autos. Gelegenheit also, bei gemächlicher Fahrt die schwindelerregenden Ausblicke links und rechts der Straße zu genießen. Oder einen Stopp einzulegen, denn die wenigen Haltebuchten an den Aussichtspunkten der Steilküste sind nicht von Bussen oder Besuchern belagert. Wer es schafft, sich bei den manchmal heftigen Winden auf der Halbinsel aufrecht zu halten, wird mit traumhaften Mittelmeer-Panoramen belohnt. Und frischer Salzluft ohne Benzinbeimischung.

Banyalbufar

Banyalbufar an Mallorcas Westküste / Thomas Meins

Auch eine der Traumstraßen Europas macht in den stillen Mallorca-Monaten eine kleine Pause vom sommerlichen Stoßverkehr. Wer im Winter von Andratx nach Pollenca durch das Tramuntana-Gebirge an der Westküste fährt, braucht weder entgegenkommende Busse noch drängelnde SUVs fürchten. Die enge und kurvenreiche Straße ist wie leergefegt. Mit 30, 40 km/h zwischen Felswänden und Steilküste hindurch zu zockeln, macht jetzt richtig Spaß. Mal spontan halten für ein Foto oder eine andächtige Aussicht über Mallorcas schönste Küste – kein Problem, die Parkplätze sind überall frei. Und in Orten wie Banyalbufar gibt’s sogar Restaurants mit Meerblick, die geöffnet haben. Tischreservierung nicht nötig – es findet sich immer ein freies Plätzchen.

Puig de Randa

Vom Puig de Randa lässt sich fast die gesamte Insel überblicken / Thomas Meins

Mallorcas Nationalheiligtümer wie Valldemossa oder das Kloster Cura auf dem Puig de Randa, im Sommer Ziel ganzer Busladungen von Touristen, lassen sich in der Nebensaison stressfrei erkunden. Sie haben zwar geöffnet, aber nur wenige Besucher verirren sich dann dorthin. Die Gassen von Valldemossa und die berühmte Kartause sind menschenleer, auf dem Puig de Randa, dem heiligen Berg der Mallorquiner, herrscht eine wirklich klösterliche Ruhe.

Die Schinkenstraße in Arenal: tote Hose im Winter / Thomas Meins

Die Schinkenstraße in Arenal: tote Hose im Winter / Thomas Meins

Sogar dort, wo sonst der Bär auf Mallorca steppt, ist jetzt Ruhe. Der berüchtigte Teutonengrill von Arenal – eine Geisterstadt in den Wintermonaten. Auf der Promenade fährt die Polizei Streife, obwohl höchtens ein angetrunkener Dauerresident aus einer der deutschen Bars, die jetzt noch geöffnet haben, auf die Straße torkelt. Der Strand – nichts als Sand. Außer ein paar Damen, die ihren Hund ausführen, ist dort niemand zu sehen. Die Schinkenstraße – tote Hose. Die Theken der “Bier- und Wurstkönige” sind verlassen. Wo im Sommer die Nacht zum Tag wird, bei Schlager, Schaumpartys und schalem Bier, herrscht gähnende Leere. Die schäbigen Hotelhochhäuser hinter den Balnearios – ausgestorben. Ein trostloser Anblick – aber der etwas morbide Charme hat seinen eigenen Zauber. Als wäre die Zeit stehengeblieben: Arenal ohne Touristen wirkt wie eine vergessene Filmkulisse ohne Schauspieler oder ein Schlachtfeld ohne Soldaten. Nicht schön, aber surreal.

Martin Xamena dürfte für diese Art der Kulisse wenig übrig haben. Sein Hotel Bon Sol gehört zu den besseren Häusern der Insel und wäre auch im Winter ein reizvoller Ort für einen Mallorca-Urlaub. Langeweile müssten seine Gäste wohl nicht fürchten: Die Bar ist gut ausgestattet, es gibt Pool, Spa und Fitnessräume, und unten in der Mini-Bucht, erreichbar durch Fahrstühle und unterirdische Gänge, lockt eine Strandbar unter Palmen.

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