Urlaub in Lappland: Elchburger und Bärensafari

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Ein See, eine Hütte, viele Bäume: Ferienhäuser in Rukan Salonki bei Kuusamo / Thomas Meins

Ein See, eine Hütte, viele Bäume: Ferienhäuser in Rukan Salonki bei Kuusamo / Thomas Meins

Die Anreise nach Lappland war eine kleine Odyssee. Umsteigen in Kopenhagen, Umsteigen in Helsinki, ein pappiges Brötchen am Flughafen, und zwölf Stunden nach dem Start in Hamburg setzte der Flieger endlich in Rovaniemi am Polarkreis auf. Im selben Moment waren die Reisestrapazen auch schon vergessen: Der erste Blick aus dem Fenster fiel auf eine endlose Wald-, Wasser- und Tundralandschaft, auf die größte unberührte Wildnis Europas. Es war Ende Juni – die Zeit, in der in Lappland die Sonne nie untergeht. Die weißen Nächte, die wilde Natur, die entspannten Finnen, exotische Speisen und der eine oder andere Wodka – viel geschlafen habe ich während der vier Tage in Lappland nicht.

Das beste Aufputschmittel am Polarkreis: die Natur. Lappland ist im Sommer so grün wie der Amazonas zur Regenzeit. Die Landschaft explodiert in einer Orgie aus Grüntönen. Birken und Nadelwälder schlagen aus, im Unterholz sprießen Sträucher und Blumen (sogar Orchideen), und wo das Land nicht von Bäumen bedeckt ist, schillern Moose und Flechten von sattgrün bis grüngelb.

Dieses Rentier verbringt auch den Sommer auf der Farm / Thomas Meins

Dieses Rentier verbringt auch den Sommer auf der Farm / Thomas Meins

Die Natur schläft im lappländischen Sommer jedenfalls nicht. Sie nutzt jeden Sonnenstrahl. Die Finnen machen’s genauso. An Schlaf ist bei den hellen Nächten nicht wirklich zu denken. Wer müde wird, geht in die Sauna, kippt ein paar Wodka und stärkt sich mit dem, was Flora und Fauna hergeben. Auf dem Speiseplan stehen Elch- und Rentierfleisch, Wild, Fisch, Beeren; Kartoffeln und Gemüse spielen nur eine Nebenrolle.

Lappländische Hausmannskost, serviert im stilchechten Holzteller: Rentiersuppe mit Kartoffeln und Möhren / Thomas Meins

Lappländische Hausmannskost, serviert im stilchechten Holzteller: Rentiersuppe mit Kartoffeln und Möhren / Thomas Meins

Beliebte Hausmannskost ist die Rentiersuppe, eine nahrhafte Mischung aus Fleisch, Kartoffeln und Möhren. Beim Picknick grillen die Finnen gern Elchburger oder knallrote Rentierwürstchen überm Feuer. Suppe und Burger schmecken hervorragend, die Würstchen sind gewöhnungsbedürftig, weil eine ziemlich trockene und fade Angelegenheit. Aber auch mitten in dieser fast menschenleeren Wildnis gibt es kulinarische Entdeckungen af höchstem Niveau.

Tundra-Küchenchef Jarmo Pitkänen testet Kräuter aus dem eigenen Anbau / Thomas Meins

Tundra-Küchenchef Jarmo Pitkänen testet Kräuter aus dem eigenen Anbau / Thomas Meins

Raffiniertere Varianten der regionalen Küche bereitet Jarmo Pitkänen zu. Ein paar Kilometer südöstlich von Ruka, in den Hügeln des Ruukinvaara, betreibt Jarmo ein Gourmetrestaurant mit Kochschule. In völliger Einsamkeit, Kilometer vom nächsten Haus entfernt, lebt er mit Frau und fünf Kindern auf einem alten Hof. Sein Restaurant „Tundra“ residiert im ersten Stock eines Neubaus: eine offene Küche, ein kleiner Gastraum, nordisch stilvoll eingerichtet. Aber wer verirrt sich in dieser Ödnis für ein Drei-Gänge-Menü? Vor allem im Winter, sagt Jarmo, sei seine Hütte voll. Wenn im benachbarten Kuusamo Ski- und damit Hochsaison ist, rappelt’s auch im Tundra. Sogar per Privatmaschine fliegen die Gourmets ein, entweder zu einem exklusiven Menü oder einem mehrtägigen Kochkurs.

Leckere Vorspeisen im Tundra: marinierter Lachs, Kitkafingers, geräucherter Barsch / Thomas Meins

Leckere Vorspeisen im Tundra: marinierter Lachs, Kitkafingers, geräucherter Barsch / Thomas Meins

Pitkänen hat als Chefkoch auf fünf Kontinenten gearbeitet und sich vor ein paar Jahren wieder in seiner Heimat Lappland niedergelassen. Seither verfeinert er den „Geschmack der Wildnis“: Im Tundra verarbeitet er Fisch aus dem eigenen See, Wild aus den umliegenden Wäldern, Wildkräuter, Beeren und sogar junge Kieferntriebe. In seinem Garten und in einem Minigewächshaus zieht er Gemüse, Kartoffeln und Salat, exotische arktische Kräuter und eher südliche Gewächse wie Koriander.

Jarmo hat sich bestens an die Extreme der lappländischen Jahreszeiten angepasst. An den langen Sommertagen, wenn wenig Gäste kommen, sitzt er in seiner Töpferwerkstatt und formt skandinavisch schlichte, aber edle Servicekollektionen, auf denen er im Winter seine Menüs serviert.

Oulanka Nationalpark in Lappland: die Stromschnellen in der Kiutaköngäs-Schlucht

Oulanka Nationalpark in Lappland: die Stromschnellen in der Kiutaköngäs-Schlucht

Eine halbe Autostunde nördlich vom Tundra liegt der Oulanka Nationalpark. Hier zieht’s Wanderer auf die mehrtägige „Bärenrunde“ durch dichten Urwald, sanfte Täler, vorbei an rauschenden Wasserläufen und über Klippen und Hängebrücken. Die Stromschnellen des Kitkajoki lassen sich bei einer 20 Kilometer langen Raftingtour vom Wassersportcamp in Juuma bis zur russischen Grenze erkunden. Aber nur unter professioneller Anleitung, der schäumende Mittellauf des Flusses wird ohne Ortskenntnis und die richtige Ausrüstung schnell zur Falle.

Da werden auch harte Männer ganz weich: Susi und eines seiner Huskie-Welpen / Thomas Meins

Da werden auch harte Männer ganz weich: Susi und eines seiner Huskie-Welpen / Thomas Meins

Wer das feuchte Abenteuer scheut, kann sich dafür an den 600 Meter langen Stromschnellen an der Kiutaköngäs-Schlucht sattsehen, nur einen Kilometer vom Besucherzentrum des Parks entfernt. Dort betreibt Jukka „Susi“ Nordman ein Café, auf Wunsch serviert er Kaffee und Rentiersuppe auch am offenen Feuer direkt an der Schlucht. Café und Bootsverleih sind Susis Sommergeschäft, im Winter ziehen seine 200 Huskies Touristen auf Hundeschlitten durch den Park.

Rafting ist anstrengend: Da kommt ein Picknick mit gegrilltem Elchburger gerade recht / Thomas Meins

Rafting ist anstrengend: Da kommt ein Picknick mit gegrilltem Elchburger gerade recht / Thomas Meins

Im Nationalpark leben Bären, Wölfe und Elche. Gesehen habe ich die Tiere dort nicht. Aber auch einer Bärensafari 150 Kilometer östlich von Rovaniemi nahe der russischen Grenze waren sie zum Greifen nah. Begegnungen mit Braunbären sind die Spezialität von Tuomo Pirttima. Der drahtige Mittdreißiger, Typ Crocodile Dundee, führt Touristen von Mai bis August auf Bärensafaris. Dabei wird nur geknipst, nicht geschossen. Tuomo betreibt den nördlichsten Spotting Point für Braunbären in Finnland. Der Beobachtungspunkt ist nichts weiter als eine einfache Bretterbude mit Sehschlitzen. Die Giganten des Waldes kommen ganz dicht an die Hüte heran, um sich über Tuomos Köder, ein halbes Schwein oder ein Riesenlachs, herzumachen.

An diesem Abend waren es etwa ein Dutzend Braunbären, die sich auf der Lichtung tummelten. Zum Fressen, Kämpfen, Revier verteidigen. Das Kampfgebrüll dieser bis zu drei Meter großen Tiere hallt heute noch in meinen Ohren. Und weil meine Einfach-Kamera bei den schwierigen Lichtverhältnissen – Wolken und Regen im Zwielicht der Mitternachtssonne – keine guten Bilder lieferte, gibt’s hier auch keine Bärenfotos zu sehen. Zum Trost ging’s nach der Safari bei Wodka und Bier in die nächstgelegene Sauna. So macht man das eben im Urlaub in Lappland.

Die Fakten: Das Tundra bietet mehrtägige Kochkurse inklusive Verpflegung, Exkursionen, Unterkunft und Transfers an. Fünf Tage kosten ab 720 Euro p. P., die Unterkunft in den Rukan Salonki Chalets ab 300 Euro; www.tundra.fi.
Die Teilnahme an der Bärensafari kostet 120 Euro p. P. Tuomo garantiert eine Bärensichtung mit 99% Sicherheit; Bear Kuusamo Ltd., www.karhukuusamo.com.
Infos über Lappland gibt es auf www.onlyinlapland.com (auch auf Deutsch).

Die Lappland-Reise fand auf Einladung der offiziellen Tourismus- und Marketingorganisation Lapland – The North of Finland statt.

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