Urlaub in Spanien: Mit dem Rad an die Costa Brava

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Mit dem Rad an die Costa Brava / Thomas Meins

Mit dem Rad an die Costa Brava / Thomas Meins

Mit dem Fahrrad durch Katalonien? Ausgerechnet da im Sattel an der Costa Brava schwitzen, wo andere nur am Strand sitzen? Ich bin kein Freund von Extremsport oder Mountainbike-Touren. Nach meinen Erfahrungen im Schwarzwald weiß ich, dass schon die Radwege im deutschen Mittelgebirge ziemlich steil sein können. Katalonien ist sehr gebirgig, schließlich gehört ein großer Teil der Pyrenäen zu dieser Ecke im Nordwesten Spaniens. Also hatte ich erst mal einen gehörigen Respekt vor dieser Tour. Aber meine Befürchtungen waren schon nach wenigen Kilometern im Sattel im sanften Mittelmeer-Wind verflogen. Wenn man’s richtig macht, ist eine Radtour im grünen Hinterland der Costa Brava ein Klacks. Wenn man’s richtig macht, heißt: Man fährt Richtung Küste, immer bergab.

Radeln an der Costa Brava: Streckennetz von Vies Verdes und Pririnexus / Thomas Meins

Radeln an der Costa Brava: Streckennetz von Vies Verdes und Pririnexus / Thomas Meins

Im Hinterland der Costa Brava gibt’s ein gut ausgebautes und abwechslungsreiches Radwegenetz. Es besteht aus zwei Elementen: den Vies Verdes und dem Rundweg Pirinexus. Die “grünen Wege” verlaufen etwa 120 Kilometer auf stillgelegten Eisenbahntrassen, der Pirinexus ist 350 Kilometer lang und verbindet Katalonien mit Südfrankreich. Die Wege ergänzen sich und sie verlaufen streckenweise parallel – Teile der Vies Verdes sind in den Pirinexus-Rundweg integriert.

Die Wiege der katalanischen Kultur: Das Kloster von Ripoll / Thomas Meins

Die Wiege der katalanischen Kultur: Das Kloster von Ripoll / Thomas Meins

Unsere Radtour startet in Ripoll. Dieser etwas schmucklose Ort am Rande der Pyrenäen, etwa 90 Minuten mit dem Auto von Barcelona entfernt, bietet sich aus mehreren Gründen als Startpunkt an. Die Vies Verdes beginnen wenige Kilometer vor der Stadt. Ripoll liegt auf etwa 700 Metern Höhe, von dort geht es bis an die Küste die nächsten 130 Kilometer nur bergab. Und Ripoll ist die Wiege der katalanischen Kultur. Im Kloster Santa Maria liegt Wilfried der Haarige begraben. Wilfried gilt als Begründer der katalanischen Herrscherdynastie – die nachfolgenden Grafen von Barcelona legten im Mittelalter den Grundstein für ein unabhängiges Katalonien.

Dazu bekommen Besucher des Klosters auch noch eine schaurige Geschichte zur Entstehung der katalanischen Fahne serviert. Diese Fahne, vier rote Streifen auf gelbem Grund (der Legende nach gemalt mit den blutigen Fingern des tödlich verwundeten Wilfried), wehen heute von jedem dritten Fenster oder Balkon Kataloniens. Trägt diese Fahne zusätzlich einen Stern auf blauem Grund, hat sie ein Nationalist rausgehängt. Diese Variante weht an ziemlich vielen Häusern entlang der Vies Verdes. Dieser demonstrative Nationalismus, der aggressiv die Abspaltung von Spanien vorantreibt, führt in die falsche Richtung. Wir bleiben lieber auf dem richtigen Weg, auf den Vies Verdes.

Vies Verdes zwischen Ripoll und Sant Juan: Per Rad auf der alten Bahntrasse / Thomas Meins

Vies Verdes zwischen Ripoll und Sant Juan: Per Rad auf der alten Bahntrasse / Thomas Meins

Die Vies Verdes in der Provinz Girona decken sich fast in voller Länge mit den ehemaligen Trassen längst stillgelegter Schmalspurbahnen. Auf diesen Trassen rollt es sich bestens – es geht sanft bergab, nur ganz selten kreuzt Verkehr die Strecke, die ehemaligen Bahnhöfe wurden zur Cafés und Rad-Servicestationen umgebaut. Die Strecke führt zunächst durch eine Mittelgebirgslandschaft, dem Schwarzwald nicht unähnlich mit seinen Bächen, Weiden, Wäldern und Viehherden, später durch eine mediterrane Ebene. Ein Fest für Eisenbahnromantiker: Alle paar Kilometer rollen die Räder durch alte Tunnel und Brücken, durch Felsdurchbrüche.

Im Hinterland der Costa Brava: Brücke bei San Juan de las Abadesas / Thomas Meins

Im Hinterland der Costa Brava: Brücke bei San Juan de las Abadesas / Thomas Meins

Für sportliche Radler stellen die Vies Verdes kaum eine Herausforderung dar. Es sei denn, man nutzt wie ich die vielen Gelegenheiten, mal ein paar Abstecher von der Hauptroute zu machen. Da gibt’s kleine Täler, historische Bauwerke, scharfe Steigungen und ab und zu verstecken sich idyllische Rastplätze am Wasserfall in den Wäldern.

Wirklich romantisch: Park an der Stadtmauer von Girona / Thomas Meins

Wirklich romantisch: Park an der Stadtmauer von Girona / Thomas Meins

Vor der Provinzhauptstadt Girona vereinigen sich die Vies Verdes mit dem Pirinexus-Weg. Girona nur zum Übernachten anzusteuern, wäre schade. Überhaupt ist eine Radtour im Hinterland der Costa Brava nix für Kilometerfresser. Die Devise lautet: Zeit nehmen, öfter mal aus dem Sattel steigen und Spanien genießen – oder meinetwegen Katalonien. In Girona klappt das prima an der Stadtmauer. Hinter der Kathedrale versteckt liegt der Domherren-Garten, eine Oase der Ruhe inmitten alter Mauern, zugewucherter Ruinen und blühender Rosen. Und obendrauf gibt’s noch den Blick auf den imposanten Turm der Kathedrale.

Eine Perle an der Costa Brava: Calella de Palafrugell / Thomas Meins

Eine Perle an der Costa Brava: Calella de Palafrugell / Thomas Meins

Ziel und Höhepunkt einer Radtour an der Costa Brava ist natürlich die Küste selbst. Einige Streckenabschnitte des Pirinexus führen direkt am Mittelmeer entlang. Und warum die Küste “wilde Küste” heißt, wird in Calella de Palafrugell klar. Das Wasser donnert an die Felsen, die Fischerboote tanzen auf dem Meer, Badeplätze sind rar und steinig. Und dazu der würzige Pinienduft …

Unterwegs auf dem Pirinexus / Thomas Meins

Unterwegs auf dem Pirinexus / Thomas Meins

Die Wege sind in der Regel gut ausgeschildert. Eine gute Karte ist aber nötig, um sich in den vielen kleinen Dörfern, die der Pirinexus durchquert, nicht zu verfahren. Der Pirinexus nutz übrigens ganz unterschiedliche Strecken: Meistens führt er über Sand oder Schotter durch Plantagen, Wiesen und Wälder, manchmal ziemlich wild über zugewachsene Feldwege, manchmal an Straßen entlang. Das Radeln auf Straßen macht normalerweise wenig Spaß, auf diesen Landstraßen herrscht jedoch so gut wie kein Verkehr.

Felsen und Vögel: Die Medes-Inseln vor Estartit / Thomas Meins

Felsen und Vögel: Die Medes-Inseln vor Estartit / Thomas Meins

Noch einer dieser Orte, für die ich aus dem Sattel gestiegen bin: die Medes-Insel vor l’Estartit. Die Inselgruppe steht unter Naturschutz und darf nicht betreten werden. Nähern kann man sich den Felsen nur per Glasbodenboot oder als Taucher. Wir haben das Boot genommen – und der Blick über die Reling war weitaus imposanter als die Aussicht durch den trüben Glasboden. Wieder ein Beispiel für die wilde Schönheit dieser Küste – wenigstens an den Stellen, die nicht von Feriensiedlungen und Hotels verbaut sind.

Die Costa Brava mal menschenleer: Der Strand am Campingplatz la Ballena / Thomas Meins

Die Costa Brava mal menschenleer: Der Strand am Campingplatz la Ballena / Thomas Meins

Auch der weitgeschwungene Golf de Roses ist noch weitgehend unverbaut. Weil weite Teile der Küste hier ebenfalls unter Schutz stehen. Der Parque Natural Aiguamolls del Emporda ist eine Lagunenlandschaft, in der sich jede Menge Vögel tummeln. Der Pirinexus führt daran vorbei. Am Rande des Parks gibt’s einen prächtigen Strand – sandig, etliche Kilometer lang und mindestens 100 Meter breit.

Luxuscamping an der Costa Brava: Die brandneuen Bungalows in La Ballena / Thomas Meins

Luxuscamping an der Costa Brava: Die brandneuen Bungalows in La Ballena / Thomas Meins

Auch wenn es so scheint: Dieser Strand ist kein Geheimtipp. Er liegt nämlich direkt vor dem Campingplatz La Ballena, ein Riesengelände mit 6000 Übernachtungsplätzen – und Pools, Restaurants, Beach-Club, Geschäften und … Mit Camping habe ich sonst nichts am Hut, aber die neuen Bungalows auf dem La Ballena sind recht großzügig und komfortabel und verfügen über einen eigenen Pool. Ich denke, für Radfahrer auf der Durchreise ist das eine fast perfekte Unterkunft.

Die Fakten: Informationen über die Vies Verdes gibt es unter viesverdes.cat, über das Projekt Pirinexus unter pirinexus.cat. Entlang beider Radwege gibt es etwa 90 Hotels, Restaurants und weitere gastronomische Betriebe, die auf Fahrradfahrer eingestellt sind. Empfohlene Etappen: ca. 60 km am Tag, für den gesamten Pirinexus-Rundweg sollte man 6 Tage einplanen, 2 weitere Tage sollten für die Vies Verdes reichen. Für Transfer und Service (Radverleih, Gepäcktransport, Routenplanung) sorgen je Weg etwa ein Dutzend Firmen. Die Anschriften sind unter den obengenannten Webadressen zu finden.

Die Reise an die Costa Brava fand auf Einladung von Turespana statt, der spanischen Fremdenverkehrszentrale in Deutschland.

 

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